
1,4 Mio. Überstunden in Neumünster: NGG warnt vor Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes
Beschäftigte in Neumünster haben im letzten Jahr rund 1,4 Mio. Überstunden geleistet – davon etwa 707.000 unbezahlt. Allein in Hotels und Gaststätten kamen rund 22.000 Stunden zusammen, mehr als die Hälfte davon ohne Vergütung. Das zeigt der Arbeitszeit-Monitor des Pestel-Instituts im Auftrag der NGG.
Die Gewerkschaft warnt vor einer Abschaffung des 8-Stunden-Tages: Künftig könnten Arbeitstage auf bis zu 12 Stunden und Wochen auf 73,5 Stunden anwachsen. „Das wäre Arbeitszeit-Stretching pur – zulasten von Gesundheit und Familie“, sagt Philipp Thom, Geschäftsführer der NGG Schleswig-Holstein Nord. Schon jetzt seien 60-Stunden-Wochen möglich, Überstunden würden oft nicht abgegolten.
Längere Arbeitstage verschärften zudem die Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege. Vor allem Frauen wären betroffen, da 61 % der Teilzeitstellen in Neumünster von ihnen besetzt sind.
Thom fordert die Bundestagsabgeordneten aus der Region auf, Änderungen am Arbeitszeitgesetz zu stoppen: „Mehr Flexibilität ist nicht nötig. Was wir brauchen, sind gute Arbeitsbedingungen, Ausbildung und Qualifizierung keine XXL-Schichten.“